Der Wohnungsbau gewinnt wieder an Schwung

Entdecken Sie die neuesten Trends im Schweizer Immobilienmarkt: Mit dem Rückgang der Zinsen und einer steigenden Nachfrage nach Wohneigentum erleben wir eine spannende Dynamik. Der Markt für Stockwerkeigentum steht unter einem positiven Vorzeichen. Erfahren Sie mehr über die Chancen für Wohnungskäufer und die Entwicklungen im Wohnungsbau, die den Markt beleben.

Von Jürg Zulliger

Rund fünf Jahre lang war die Bautätigkeit rückläufig – trotz des starken Bevölkerungswachstums. Jetzt zeigt sich eine positive Wende: Die Zahl der Baugesuche im Wohnungsbau ist gestiegen, und auch bei Eigentumswohnungen gibt es gute Nachrichten. Die Nachfrage bleibt robust, und die Preisentwicklung zeigt einen positiven Trend.

Starke Bevölkerungszunahme und Bautätigkeit

Im Vergleich zu Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Spanien wächst die Wohnbevölkerung in der Schweiz doppelt so schnell. Laut dem Immobilienberatungsunternehmen Wüest Partner soll sie dieses Jahr um über 80’000 Personen zunehmen. Für 2025 wird ein nur geringfügig niedrigerer Anstieg erwartet. Seit 2018 hat sich die Bautätigkeit jedoch verlangsamt, was vor allem in Städten und wirtschaftlichen Zentren zu einem Mangel an Wohnungen geführt hat. Schweizweit sind die Angebotsmieten im Jahresverlauf um über 6 Prozent gestiegen, und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Wohneigentum mit positivem Vorzeichen

Ein weiterer Anstieg der Preise bei Eigenheimen ist zu verzeichnen. Im zweiten Quartal 2024 stiegen die Preise für Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent, während Einfamilienhäuser um 2,5 Prozent zulegten. Besonders in Tourismusregionen wie dem Wallis und Graubünden boomen die Immobilienmärkte mit starkem Preiswachstum. Angesichts der angespannten Lage auf dem Mietwohnungsmarkt und sinkender Hypothekarzinsen überrascht die hohe Nachfrage nach Wohneigentum nicht.

Stockwerkeigentum: Kostenvorteile gegenüber der Miete

Der Trend zu sinkenden Zinsen wirkt sich positiv auf den Markt für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser aus. Die Ökonomen von Raiffeisen Schweiz betonen in ihrer neuesten Studie, dass das Wohnen im Eigenheim für Neueigentümer mit Geldmarkthypotheken oder kurz laufenden Festhypotheken günstiger ist als das Mieten einer vergleichbaren Wohnung. Der Kostenvorteil, der wegen höheren Zinsen eine Zeit lang verloren gegangen ist, wird sich weiter ausweiten, insbesondere bei langfristigen Hypotheken. Eine höhere Miet- als Kaufpreisdynamik wird das Kaufen als finanziell attraktivere Wohnform hervorheben. Oder anders gesagt: Die Ökonomen gehen davon aus, dass sich der Kostenvorteil noch mehr zugunsten des Wohnungseigentums verschieben wird.

Aufschwung beim Mietwohnungsbau

Erste Anzeichen einer Trendwende im Mietwohnungsmarkt sind erkennbar. Das zeigt die neue Auswertung des Beratungsunternehmens Wüest Partner: Die Zahl der Neubaugesuche stieg im zweiten Quartal 2024 um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den letzten 12 Monaten wurden Baugesuche für 34’150 Wohnungen eingereicht. Dies könnte mit einer weiterhin hohen Nachfrage nach Wohnungen zusammenhängen. Die Angst vor Zinserhöhungen ist nach den neuesten SNB-Entscheidungen abgeklungen, die Inflation unter Kontrolle, und die Baupreise verharren auf hohem Niveau.

Vielfalt an Investoren

Die Bauherren dieser Projekte sind Immobilienfonds, Versicherungen und Wohnbaugenossenschaften. Die meisten Wohnungen entstehen jedoch in mittelgrossen und kleinen Projekten. Rund 40 Prozent der geplanten Mietwohnungen entfallen auf Projekte mit 10 bis 50 Einheiten, wobei kleinere Projekte eine vielfältigere Bauherrschaft aufweisen, darunter Bauunternehmen, Privatpersonen und Family Offices.

Regionale Entwicklungen

Die Wohnbautätigkeit zieht vor allem in der Ostschweiz an, mit über 50 Prozent Zunahme bei Baugesuchen. Dies betrifft insbesondere den Kanton Thurgau, das Appenzellerland und Werdenberg. Die Verfügbarkeit von Bauland spielt eine entscheidende Rolle, während in Zürich Bauland teuer oder knapp ist. Neue Projekte werden hauptsächlich auf unbebauten Flächen realisiert, da die Innenentwicklung in bestehenden Gebieten schleppend voranschreitet.

Die Studie unterstreicht, dass Verdichtung und Neubau in bestehenden Siedlungen gemäss Raumplanungsmaximen Vorrang haben sollten. Dennoch dominiert derzeit die Nutzung unbebauter Bauzonen.

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